
Krafttraining verändert mehr als nur den Körper
Viele Frauen versuchen noch immer, ihren Körper kleiner zu machen:
Zierlich sein ist ein Kompliment. Weniger wiegen wird schnell zu weniger Raum einnehmen und weniger „zu viel“ sein.
Schlankheitsideale wirken dabei oft harmloser, als sie sind. Denn hinter dem Ideal, möglichst wenig Raum einzunehmen, stehen nicht selten gesellschaftliche Erwartungen an weibliche Anpassung, Kontrolle und Zurückhaltung.
Auch deshalb gewinnt der Gedanke „Strong not skinny“ für viele Frauen eine neue Bedeutung.
Selbst Führungskräfte oder Unternehmerinnen, die große Verantwortung übernehmen, nutzen ihren Körper nicht immer als strategischen Sparringspartner für ihre Energie, Präsenz und Wirkung.
Dabei braucht ein anspruchsvoller Alltag Kraft, Stabilität und echte Energie.
Für lange Tage, klare Entscheidungen, anspruchsvolle Situationen und ein Leben, das sich nicht nur erfolgreich, sondern auch lebendig anfühlen darf.
Genau deshalb verändert Krafttraining oft weit mehr als nur die körperliche Fitness.
Im Interview: Nike Heise über Krafttraining, Gesundheit und „Strong not skinny“
HR-Führungskraft Nike Heise spricht im Interview darüber, warum für sie Muskelaufbau, Kraft und Gesundheit wichtiger geworden sind als Schlanksein und weshalb „Strong not skinny“ für viele Frauen eine völlig neue Perspektive auf den eigenen Körper eröffnen kann.
Nike verbringt aufgrund der Anforderungen ihres Jobs viel Zeit im Sitzen und teilt ihre Herangehensweise an Herausforderungen, die viele von uns nur zu gut kennen: die Belastungen für den Körper bei einer anspruchsvollen Bürotätigkeit, und die Suche nach Balance zwischen Beruf und körperlicher Aktivität.
Nike, du bist der Meinung, dass die Zahl auf der Waage uninteressant ist, aber Muskelaufbau und Knochengesundheit für Frauen wichtig ist. Kannst du erklären, warum du so denkst?
"Mit 44 kommt man als Frau ja so langsam in die Wechseljahre und der Körper und die Psyche verändern sich nochmal eklatant. Unter diesem Aspekt mache ich Sport und gestalte mein Leben. Es geht mir darum, möglichst lange beweglich und stark zu sein, nicht dünn. Ich persönlich sehe im „Dünnsein“ keine Vorteile für mich und habe das auch nie als wichtig empfunden. Es ist schade, dass unser einziger Fokus und der Fokus so vieler Abnehm- und Fitnesscoaches auf einem möglichst dünnen Körper liegt.
Als Jugendliche war ich immer dünn, als Kind sogar untergewichtig und ich war immer eine schwierige Esserin. Ich kann also direkt aus meiner Erfahrung mit super schlank sein berichten. Ich möchte nicht mehr in diese Phase zurück, wo ich so untergewichtig war, dass selbst mein Hormonhaushalt durcheinander war."
Was bedeutet für dich der Ausdruck “Strong not skinny“ und wie hat er deine eigene Fitness beeinflusst?
"Ich mache Sport seit meiner Kindheit, und habe viele verschiedene Sportarten ausprobiert (Schwimmen, Kampfsport, Ballett, Fitness, Yoga, Pilates, Badminton) aber so richtig Muskelaufbau und Kräftigung kamen erst, als ich fokussiert Gewichte gehoben und mit meinem Körpergewicht trainiert habe und meinen Fokus weggelenkt habe von Cardio/Joggen oder reiner Flexibilität. Durch das Gewichtheben habe ich Schmerzen im unteren Rücken besser in den Griff bekommen. Mir fiel es leichter auch im Haushalt schwere Dinge zu heben und ich war nach dem Training abends endlich richtig müde und ausgelastet."
Siehst du eine Verbindung zwischen körperlicher Fitness und beruflicher Leistung, speziell in Bezug auf Frauen am Arbeitsplatz?
"Mir hat der Sport geholfen, weniger Schmerzen zu haben bzw. mit Schmerzen gerade im Rücken besser umgehen zu können. Hart trainieren macht mich persönlich abends müde und ich schlafe besser und tiefer."
Was sind deine Top-Tipps für Frauen, die mit Krafttraining beginnen wollen?
"Einfach starten und keine Angst vor mehr Gewichten haben. Viele Frauen, die ich kenne, trainieren mit viel zu wenig Gewicht und achten bei den Übungen nicht darauf, diese korrekt auszuführen. Muskelaufbau und Fortschritt erreicht man nur, wenn man so trainiert, dass es wirklich anstrengend ist. Viele meiner Freundinnen machen Training mit kleinen Hanteln. Aber wenn ich Curls mit 2 kg- Hanteln mache, darf ich mich nicht wundern, wenn sich nix tut."

Wie können Frauen ihre Fortschritte messen, ohne sich auf die Waage stellen zu müssen?
"Ich persönlich messe nix und stelle mich auch auf keine Waage. Man fühlt ja Muskelwachstum und sieht es auch an der Kleidung, die anders sitzt als vorher. Wichtiger ist es, sich bewusst zu machen, dass man den Sport macht, um im hohen Alter noch beweglich und stark zu sein. 99% von uns werden niemals im Bikini auf einer Bühne stehen und den Körper präsentieren. Generell finde ich, dass man Körperbilder weniger beachten sollte. Ich würde mich selber nie als schlank bezeichnen, und das ist auch nicht mein Ziel. Ich möchte einen Körper haben, der mich durch die nächsten Jahre trägt und gut durch die Wechseljahre kommt. Leider ist es mit Yoga und Pilates nicht getan. Das sind gute Sportarten zum Entspannen und Abschalten, aber die tun absolut nix dafür, starke Muskeln aufzubauen, eine gewisse Grundausdauer auszubilden und das Knochengerüst zu schützen."
Hast du einen Ratschlag für Frauen, die sich mit dem Thema Fitness und Muskelaufbau überfordert fühlen?
"Ich selber habe einige Kontakte im Bekanntenkreis, die sich sehr gut auskennen, und die habe ich gerade zu Beginn ausgefragt. Dazu haben mir YouTube Videos geholfen und meine Coaches in meiner CrossFit Box. Inzwischen habe ich meine Routine-Workouts, die ich mir selber zusammengestellt habe und variiere diese nach Lust und Laune. Diese enthalten immer Übungen für Core, Beine, Arme und Glutes und einen kleinen Teil Cardio, den ich mache, weil in unserer Familie Herzerkrankungen vorliegen. Ich trainiere mich selber niemals ans Limit, sondern so, dass ich danach müde aber noch funktionsfähig bin. Wichtig finde ich, erstmal anzufangen und dann durchzuhalten. Sport sollte man nicht als furchtbar anstrengende Verpflichtung empfinden, sondern als was Positives, das auch die Seele ausgleicht und langfristig Nutzen bringt, jenseits von einem Idealkörper. Klar trainiere ich meinen Körper, aber ich kann Dampf ablassen, mal nicht denken, abschalten und Sorgen vergessen."
Magst du, zum Abschluss, eine persönliche Botschaft oder ein Motto mitgeben, das dich in deinem Streben nach einem starken und gesunden Körper leitet und welches auch vielleicht andere inspirieren könnte?
"Am Ende des Tages geht es nicht um Besser-Schneller-Weiter, sondern darum, gut zu sich zu sein und auf sich zu achten. Es gibt Tage, da hat man Lust auf hartes Training, es gibt Tage da hat man keine. Beides ist ok. Wir sind Menschen, nicht Maschinen. Ich habe Tage oder Wochen, wo mein Training nicht so hart und anstrengend ist, wie ich es gerne hätte, aber dann gibt es auch Wochen, wo ich mehr trainiere und mehr schaffe. Beides ist für mich total in Ordnung. Wichtig ist es, Training nicht mit Druck zu machen, aber auch nicht mit „Wellness“ zu verwechseln. Wellness ist Sauna, Gewichte heben ist Sport.
Und man braucht einfach Zeit. Gerade weibliche Körper sind genetisch nicht auf Muskelaufbau „programmiert“. Bei mir hat es 2 Jahre gedauert bei regelmäßigem Training, dass ich erste Erfolge gesehen habe. Geduld mit sich selber und dem Körper sind das A und O."
Mehr Kraft statt weniger Raum
Ein starker Körper verändert oft weit mehr als die Gesundheit.
Er beeinflusst, wie wir uns fühlen, auftreten, Entscheidungen treffen und durch anspruchsvolle Lebensphasen gehen.
„Strong not skinny“ ist deshalb viel mehr als ein Fitnessgedanke. Es ist eine neue Art, auf weibliche Stärke zu schauen.
Über die Autorin

Vanessa Werner begleitet beruflich erfolgreiche Frauen, die viel Verantwortung tragen und ihre Karriere bewusst gestalten möchten, mit Klarheit, Energie und innerer Souveränität.
Als Diplom-Informatikerin und ehemalige Führungskraft in internationalen Konzernen kennt sie die Dynamiken anspruchsvoller Karrieren aus eigener Erfahrung. Heute verbindet sie diese Business-Perspektive mit ihrer Arbeit als Personal Trainerin für Medical Fitness und Quantum Coach für Körper- und Energiearbeit.
In ihrer Arbeit geht es nicht um Optimierung oder Selbstdisziplin, sondern um innere Führung: Entscheidungen im Einklang mit Körper, Nervensystem und persönlicher Haltung.
Vanessa arbeitet mit Frauen, die Verantwortung tragen und ihren nächsten Entwicklungsschritt bewusst gestalten möchten – beruflich wie persönlich. Ihr Ansatz verbindet Business-Erfahrung, wissenschaftliches Verständnis und praktische Umsetzbarkeit im Alltag.
👉 Mehr über Vanessa und ihre Arbeit erfährst du hier.
.png)