Früher Feierabend: Wirkt man dadurch weniger leistungsbereit und schwächt seine Aufstiegschancen?

Führungskraft in verschiedenen Situationen: souverän im Büro, entspannt und sportlich in Pausen

Freitag, 17:30 Uhr. Wenn du jetzt gehst, schaffst du es noch zur Yogastunde.

Eigentlich spricht nichts dagegen:
Deine wichtigsten Themen sind erledigt. Die Präsentation ist fertig. Das Team hat, was es braucht.

Trotzdem bleibst du sitzen.
Denn erstens gibt es ja schon noch das ein oder andere zu tun. Und zweitens sind andere auch noch da.

Das lässt die Frage mitschwingen:

„Wirkt es unengagiert, wenn ich jetzt gehe?“

Viele erfolgreiche Frauen kennen genau diesen Gedanken

Das sehe ich anders.

Und ich bin ein gutes Beispiel. Denn ich nehme mir nicht nur Zeit für mich, ich schreibe sogar öffentlich darüber.

Als ehemalige Führungskraft in internationalen Konzernen, Unternehmerin und heute Mentorin für Frauen in verantwortungsvollen Positionen habe ich über viele Jahre erlebt, wie sich Selbstführung auf Leistung, Sichtbarkeit und Karriere auswirkt.

Was meine Chefs tatsächlich bewertet haben

Wird meine Pausen-Kultur akzeptiert, weil körperliche und mentale Gesundheit seit ein paar Jahren mehr im Fokus stehen?

Ganz ehrlich: Kein einziger Chef hat jemals gefragt, wann ich welche Pause mache. Aber viele haben sich dafür interessiert, welche Ergebnisse ich liefere, wie ich Probleme löse und wie ich Verantwortung übernehme.

Unsere Gespräche drehten sich um Inhalte, Probleme, Lösungen, Leistung und manchmal haben wir gemeinsam gelacht.

Moderne Selbstführung bedeutet nicht mehr Einsatz, sondern mehr Wirkung

Mein Ansatz ist, Wege zu finden, meine persönlichen Belange mit den Erfordernissen meines Jobs in Einklang zu bringen.

Ich bekomme das gut hin. Es macht mich leistungsfähiger, und das zählt mehr als Anwesenheit.

Wer erholt ist, trifft bessere Entscheidungen, kommuniziert klarer und bleibt auch unter Druck handlungsfähig. Genau diese Fähigkeiten werden in verantwortungsvollen Rollen erwartet.

Meine Erfahrung aus Konzern und internationaler Führung

Die ersten Erfahrungen sammelte ich schon bei meinem Praktikum bei der SAP 2006, bei dem ich die Nachmittage aufgrund der großen sommerlichen Hitze mit Kollegen am Badesee verbrachte, und danach sehr erfrischt die neuen Ideen und Erkenntnisse umsetzte.

Während andere im stickigen Büro versuchten, konzentriert zu bleiben, saßen wir am See. Das Wasser glitzerte.

Die Temperatur lag selbst im Schatten in der Natur bei an die 30 Grad. Im Büro unter dem Blechdach sicher einiges darüber.

Statt nun erschöpft auf die Bildschirme zu starren, kamen wir mit frischem Kopf zurück. Genau dann entstanden oft die besten Ideen.

In meinem Zeugnis laß sich das wie folgt:

Ausschnitt aus einem Arbeitszeugnis, dass starke Initiative, sehr großes Engagement und hohe Motivation hervorhebt

Zu diesem Zeitpunkt des nächsten Beispiels arbeitete ich bei einem anderen Arbeitgeber in einer internationalen Rolle mit mehreren Berichtslinien, zwei Chefs in Deutschland, einen in den USA, und hoher Verantwortung.

Mittags zog ich die Laufschuhe an und ging raus in die schwäbischen Weinberge. Die Bewegung half mir, den Kopf frei zu bekommen und mit neuer Energie in den Nachmittag zu starten.

Durch die Zeitverschiebung lagen viele Meetings mit den USA erst am späten Nachmittag oder Abend. Nicht selten nahm ich an diesen Gesprächen vom Rennrad aus teil, unterwegs, Kopfhörer im Ohr, und mit prägnanten Wortmeldungen.

Entscheidend war dabei nie, wo ich mich befand. Entscheidend war, dass meine Impulse geschätzt wurden.

Ich wurde während meiner Tätigkeit befördert, ausgezeichnet und hatte eine außergewöhnlich gute Gehaltsentwicklung.

Zitat aus dem betreffenden Arbeitszeugnis:

Arbeitszeugnis, das Belastbarkeit, Führungsstärke und hohe Handlungsfähigkeit betont

Warum Grenzen setzen die Wahrnehmung von Kompetenz stärken kann

Interessanterweise zeigen zahlreiche Untersuchungen zur Regeneration und Leistungsfähigkeit, dass Erholung kein Gegensatz zu Leistung ist, sondern deren Voraussetzung. Selbst die Harvard Business Review bezeichnet Regeneration inzwischen als „Leadership Imperative“ – also als notwendige Voraussetzung für wirksame Führung statt als nettes Extra.

Dieses Bild zeigt mich bei einem meiner "Mini-Retreats", einer kleinen Pause auf dem Balkon. Ich habe mehrere Stunden eine hybride Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmern moderiert - und trotzdem bzw. gerade deshalb auf meine Pause(n) geachtet.

Vanessa Werner in einer Pause bei der Moderation eines virtuellen Events

Wer konzentrierter arbeitet, bessere Entscheidungen trifft und konstant leistungsfähig bleibt, wird häufig kompetenter wahrgenommen als Menschen, die dauerhaft beschäftigt wirken.

Es stärkt die eigene Position, wenn man nicht jederzeit verfügbar ist. Mehr dazu, wie sich klare Grenzen positiv auf deine Karriere auswirken können, liest du in diesem Artikel:
Weniger arbeiten = weniger Karriere? Die gläserne Decke in deinem Kopf.

Was erfolgreiche Frauen daraus mitnehmen können

Was würde passieren, wenn wir folgende Frage

„Was denken andere, wenn ich früher gehe?“

durch diese hier ersetzen:

„Welche Wirkung könnte ich entfalten, wenn ich aufhöre, meine Leistungsbereitschaft über Anwesenheit beweisen zu wollen?“

Früher Feierabend lässt niemanden automatisch weniger leistungsbereit erscheinen. Aber im Gegenteil: ständig beschäftigt zu sein, kann gerade dazu führen, für die nächste Beförderung nicht berücksichtigt zu werden, weil man ja "unersetzbar" ist und bequem eingesetzt werden kann.

Moderne Selbstführung bedeutet, Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen und gleichzeitig Verantwortung für die eigene Energie.

Denn langfristig entstehen Karriere, Einfluss und Standing nicht durch Dauerhustle, sondern durch Klarheit, Wirkung und Souveränität.

Genau solche Ansätze verfolgen auch die Frauen, die meine Feel Your Power Lead & Expand Programme nutzen, um ihre Arbeit so zu gestalten, dass sie Erfüllung, finanzielle Souveränität und Gestaltungsspielraum liefert. Auch wenn sie zu Beginn trotz langer Tagen nicht dort sind, wo sie sein könnten.

Zwei Führungskräfte im Austausch zu Pausen, Grenzen, Leistungsbereitschaft und Aufstiegschancen

Häufige Fragen zu Feierabend, Leistung und Karriere

Schadet früher Feierabend den Aufstiegschancen?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, welchen Beitrag du leistest, und vor allem wie du wahrgenommen wirst. In vielen verantwortungsvollen Rollen zählen Ergebnisse, Standing und Vertrauen deutlich mehr als reine Anwesenheitszeit.

Denken Führungskräfte negativ über Mitarbeitende, die pünktlich Feierabend machen?

Die meisten Führungskräfte interessieren sich deutlich stärker für Qualität, Verlässlichkeit und Ergebnisse als für lange Arbeitszeiten. Für viele Chefs ist es sogar eher lästig, sich mit Arbeitszeiten beschäftigen zu müssen, weil dadurch sichtbar wird, dass an anderer Stelle etwas nicht funktioniert.

Warum sind Pausen gerade für leistungsstarke Menschen wichtig?

Je höher Verantwortung und Komplexität werden, desto wichtiger werden Fokus, Regeneration und Entscheidungsqualität. Gleichzeitig steigen Druck und Erwartungen, während die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers zunehmend in den Hintergrund tritt. Umso wichtiger wird die Fähigkeit zur Selbstführung und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigenen Grenzen zu übernehmen.

Wie kann ich Grenzen setzen, ohne als wenig engagiert wahrgenommen zu werden?

Indem du Klarheit mit Verlässlichkeit verbindest. Menschen vertrauen Führungspersönlichkeiten, die ihre Prioritäten kennen, Verantwortung übernehmen und gleichzeitig gut für ihre Ressourcen sorgen. Das wirkt häufig souveräner als permanente Verfügbarkeit, die nicht selten den Eindruck von Überlastung entstehen lässt.

Ist ständige Erreichbarkeit ein Zeichen von Leistungsbereitschaft?

Kurzfristig wird sie manchmal so interpretiert. Langfristig entstehen Wirkung, Führungskraft und Karriere jedoch meist durch gute Entscheidungen, klare Kommunikation und nachhaltige Leistungsfähigkeit statt Dauerhustle.

Herausragender Erfolg entsteht dort, wo andere erkennen, welchen Unterschied nur du machen kannst.

Arbeitsvolumen ist ersetzbar. Persönlichkeit nicht.

Über die Autorin

Vanessa Werner als Leadership-Mentorin für beruflich erfolgreiche Frauen in Veränderungsphasen

Vanessa Werner begleitet beruflich erfolgreiche Frauen, die viel Verantwortung tragen und ihre Karriere bewusst gestalten möchten, mit Klarheit, Energie und innerer Souveränität.

Als Diplom-Informatikerin und ehemalige Führungskraft in internationalen Konzernen kennt sie die Dynamiken anspruchsvoller Karrieren aus eigener Erfahrung. Heute verbindet sie diese Business-Perspektive mit ihrer Arbeit als Personal Trainerin für Medical Fitness und Quantum Coach für Körper- und Energiearbeit.

In ihrer Arbeit geht es nicht um Optimierung oder Selbstdisziplin, sondern um innere Führung: Entscheidungen im Einklang mit Körper, Nervensystem und persönlicher Haltung.

Vanessa arbeitet mit Frauen, die Verantwortung tragen und ihren nächsten Entwicklungsschritt bewusst gestalten möchten – beruflich wie persönlich. Ihr Ansatz verbindet Business-Erfahrung, wissenschaftliches Verständnis und praktische Umsetzbarkeit im Alltag.

👉 Mehr über Vanessa und ihre Arbeit erfährst du hier.

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