
Viele erfolgreiche Frauen leisten enorm viel und wundern sich trotzdem, warum andere mehr Anerkennung erfahren, schneller aufsteigen oder strategisch interessantere Chancen bekommen.
Denn operative Hilfsbereitschaft wird in Unternehmen oft anders bewertet als strategische Sichtbarkeit. In diesem Artikel erfährst du, welche Aufgaben du besser ablehnen solltest, wenn du mit weniger Stress mehr Wirkung und Karriere erreichen möchtest.
Warum „Fleißaufgaben“ erfolgreiche Frauen ausbremsen
Auch ich habe als Führungskraft in internationalen Konzernen erlebt, wie schnell man in die Rolle der zuverlässigen Problemlöserin rutscht, besonders dann, wenn man leistungsstark ist, Verantwortung übernimmt und Dinge wirklich gut kann.
Einer der wenigen Tipps, die ich wirklich konsequent und erfolgreich angewendet habe, war:
"Sei egoistischer bei der Wahl deiner Projekte und Aufgaben."
Früher sagte ich oft Ja zu Aufgaben, weil sie inhaltlich wichtig erschienen oder weil ich helfen wollte. Oft übernahm ich sie, weil ich sie effizienter als andere erledigen konnte oder weil es einfacher war, als Nein zu sagen.
- Die Kollegin, die „nur kurz“ fragt, ob du etwas übernehmen kannst.
- Das Meeting, in dem niemand reagiert und du automatisch einspringst.
- Die stille Selbstverständlichkeit, dass du es schon richten wirst.
Diese ‚fleißiges Bienchen‘-Mentalität sorgt zwar oft dafür, dass Teams funktionieren. Aber nicht automatisch dafür, dass Frauen als strategische Führungspersönlichkeiten wahrgenommen werden.

Dieses Muster ist inzwischen sogar gut erforscht. Studien zu sogenannten „non-promotable tasks“ zeigen, dass Frauen deutlich häufiger organisatorische und unterstützende Zusatzaufgaben übernehmen, also Aufgaben, die Teams helfen, aber selten zu mehr strategischer Sichtbarkeit oder Beförderungen führen. Gleichzeitig werden sie häufiger darum gebeten (44%) und sagen öfter Ja (50%). [Interview der Harvard Kennedy School mit Ökonomin Lise Vesterlund]
Die Konsequenz, die ich persönlich zu Beginn meiner Karriere zog?
Ich machte die karrierefördernden Dinge zusätzlich, was enorm viel Zeit und Energie kostete.
Der Unterschied zwischen operativer Hilfsbereitschaft und strategischer Sichtbarkeit
Heute treffe ich solche Entscheidungen deutlich strategischer und konsequenter. Das hat mein Profil geschärft.
Menschen spüren, ob jemand sich ständig verfügbar macht oder klar priorisiert, Verantwortung übernimmt und souverän führt. Genau das verändert auch, wie man auf höheren Ebenen wahrgenommen wird.
Denn je höher Verantwortung und Einfluss werden, desto stärker zählen Fokus, Priorisierung und strategische Wirkung. Permanente Verfügbarkeit und Geschäftigkeit senken den Status.
Ein praktisches Beispiel aus dem beruflichen Alltag
Wenn jemand mich bittet, bei einer Sitzung Protokoll zu führen, weil meine Handschrift so klar ist, entgegne ich: "Na, dann solltest du es doch erst recht üben!"

Indem ich Fleißaufgaben konsequent ablehne, entsteht Raum für die Themen, die wirklich Wirkung erzeugen: strategische Entscheidungen, Sichtbarkeit, Entwicklung und Führung. Gleichzeitig entsteht überhaupt erst Raum, sich um die eigene Energie, Regeneration und langfristige Leistungsfähigkeit zu kümmern. Eine Investition, die die positiven Effekte noch weiter verstärkt.
In vielen leistungsorientierten Umfeldern sehe ich hingegen, wie schnell aus Dauerstress ungesunde Kompensationsstrategien werden. Über dieses Thema habe ich hier ausführlicher geschrieben: Doping im Management.
Diese Beispiele zeigen, wie leicht der Einstieg in ungesunde Verhaltensweisen sein kann.
Für mich war entscheidend, bewusster mit meiner Energie, Aufmerksamkeit und Verantwortung umzugehen statt permanent alles aufzufangen. Dabei ging es nicht nur um das Vermeiden von schnellen, kurzfristigen Lösungen, sondern um den langfristigen Gewinn meiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Es erfordert Mut und Disziplin, sich bewusst gegen den Strom zu stellen und auf langfristige Vorteile zu setzen.
Der Lohn: statt permanentem Reagieren schafft man sich mehr und mehr Gestaltungsspielraum.
So entwickelst du mehr strategischen Fokus im Job

👉 Protokolliere eine Woche lang, wie du deine Zeit verwendest. Wann nimmst du dir Zeit für dich, für Sport und Pausen? Wieviel Zeit investierst du wirklich wertschöpfend und für deine Karriere? Wieviel Zeit geht für „Fleißaufgaben“ drauf? Markiere alles, was zwar wichtig wirkt, aber kaum Sichtbarkeit, Einfluss oder Entwicklung erzeugt. Markiere auch, was dir Freude bereitet und einzigartig in dein Portfolio passt.
👉 Plane deine Woche und setze dabei Prioritäten. Dabei geht es weniger um einen Kalendereintrag mit sich selbst (der sich ja leicht verschieben lässt). Es geht darum, im Vorfeld Klarheit für dich zu schaffen, welchen Themen du welchen Raum gibst.
👉 Übe, klar und souverän für deine Prioritäten einzustehen. Suche dir einen Sparringspartner und spiele Situationen durch, bei denen du „eigentlich“ gerne anders reagieren würdest.
Beispiel: Du hattest dir vorgenommen, rechtzeitig heimzugehen, um dein Fitness-Training zu machen. Dein Chef kommt kurz vor knapp mit einer wichtigen Aufgabe. Was nun?
Denn: Wenn du die Situation in der Trocken-Übung nicht im Sinne deiner „eigentlichen“ Prioritäten auflösen kannst, klappt es spontan nicht unbedingt besser.
Bonus-Aufgabe:
Bei allen Situationen, die häufiger vorkommen, lohnt es sich noch eine Ebene tiefer zu schauen. Welcher Teil deiner Persönlichkeit fördert diese Konstellation? Was steckt wirklich dahinter?
Wenn du tiefer verstehen möchtest, warum innere Haltung, Wahrnehmung und Entscheidungen so starken Einfluss auf die berufliche Realität haben, findest du hier einen ungewöhnlichen Blickwinkel:
Ob Business-Erfolg oder ein fitter Körper, wie Frauen mit Quantentheorie besser voran kommen.
Mehr Karriere statt mehr Stress
Ich habe in meiner eigenen Karriere und in der Arbeit mit vielen erfolgreichen Frauen erlebt, wie stark sich unsere Wirkung verändert, wenn Energie, Fokus und Verantwortung bewusst geführt werden.
Es ist nicht nur gut für die eigene Stärke und für mehr Balance im Leben. Es stärkt auch Souveränität und Status.
Denn wer Macht hat, kann Aufgaben ablehnen.
Und genau dafür braucht es oft mehr als nur bessere Gesprächsführung. Es braucht ein anderes Verhältnis zu Leistung, Energie, Status und innerer Führung.
Darüber schreibe ich hier ausführlicher:
Weniger arbeiten, mehr Karriere? Wie erfolgreiche Frauen durch Standing, Energie und innere Führung mehr Wirkung erzielen.
Je klarer du entscheidest, worauf deine Energie wirklich einzahlen soll, desto mehr Optionen entstehen, deine Karriere und dein Leben nach deinen Wünschen zu gestalten.

Häufige Fragen zu Fleißaufgaben und Karriere
Warum übernehmen auch beruflich erfolgreiche Frauen häufiger operative Zusatzaufgaben?
Viele Frauen werden im beruflichen Umfeld als zuverlässig, teamorientiert und hilfsbereit wahrgenommen. Genau deshalb landen organisatorische, koordinierende oder unterstützende Aufgaben häufig bei ihnen, selbst dann, wenn diese nicht zu ihrem Verantwortungsbereich gehören.
Interessanterweise zeigen Studien zu sogenannten „non-promotable tasks“, dass Frauen nicht nur häufiger um solche Zusatzaufgaben gebeten werden, sondern auch öfter zustimmen. Das Problem: Diese Tätigkeiten sind zwar wichtig für funktionierende Teams, erhöhen aber selten strategische Sichtbarkeit oder die Wahrscheinlichkeit für Beförderungen.
Hinzu kommt: Viele leistungsstarke Frauen definieren ihren Wert unbewusst über Einsatz, Verantwortungsgefühl und Verlässlichkeit. Dadurch entsteht schnell die Rolle der Frau, die alles auffängt, statt die Position der Frau, die Richtung vorgibt.
Wie lehne ich Aufgaben ab, ohne unsympathisch zu wirken?
Entscheidend ist weniger das Nein selbst als die Art, wie du dich positionierst.
Viele Frauen versuchen beim Ablehnen möglichst weich, erklärend oder entschuldigend zu formulieren. Das Problem: Je unsicherer die Kommunikation wirkt, desto eher entstehen Diskussionen oder Rechtfertigungsdruck.
Souveräne Führung bedeutet nicht Härte, sondern Klarheit.
Zum Beispiel:
- statt sofort einzuspringen erst priorisieren,
- Verantwortung zurückgeben,
- Alternativen ermöglichen,
- oder bewusst fragen, ob die Aufgabe wirklich deiner Rolle entspricht.
Oft reicht bereits ein ruhiger Satz wie:
„Dafür bin ich gerade nicht die sinnvollste Besetzung.“
Oder:
„Mein Fokus liegt aktuell auf folgenden Themen: <Liste strategisch wichtiger Projekte>.“
Beobachte auch, wie du dich fühlst, wenn du eine Aufgabe ablehnst. Oft liegt hier der wahre Hebel, denn mehr noch als eine bestimmte Formulierung überträgt die eigene Persönlichkeit eine Wirkung in die eine oder andere Richtung.
Welche Tätigkeiten fördern Karriere wirklich?
Karriere auf höherem Niveau entsteht selten durch maximale Auslastung. Sichtbarkeit entsteht dort, wo Frauen Wirkung erzeugen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Entscheidungen prägen,
- Verantwortung sichtbar übernehmen,
- strategische Initiativen vorantreiben,
- Konflikte souverän führen,
- Netzwerke aufbauen,
- Prioritäten setzen,
- und Orientierung geben.
Kurz gesagt:
Nicht alles, was wichtig ist, ist automatisch karrierefördernd. Nicht alles, was wichtig ist, solltest du selbst übernehmen.
Viele Frauen verbringen enorm viel Energie damit, Systeme am Laufen zu halten. Doch wirklicher Gestaltungsspielraum entsteht oft erst dann, wenn du bewusster auswählst, worauf deine Energie einzahlen soll.
Über die Autorin

Vanessa Werner begleitet beruflich erfolgreiche Frauen, die viel Verantwortung tragen und ihre Karriere bewusst gestalten möchten, mit Klarheit, Energie und innerer Souveränität.
Als Diplom-Informatikerin und ehemalige Führungskraft in internationalen Konzernen kennt sie die Dynamiken anspruchsvoller Karrieren aus eigener Erfahrung. Heute verbindet sie diese Business-Perspektive mit ihrer Arbeit als Personal Trainerin für Medical Fitness und Quantum Coach für Körper- und Energiearbeit.
In ihrer Arbeit geht es nicht um Optimierung oder Selbstdisziplin, sondern um innere Führung: Entscheidungen im Einklang mit Körper, Nervensystem und persönlicher Haltung.
Vanessa arbeitet mit Frauen, die Verantwortung tragen und ihren nächsten Entwicklungsschritt bewusst gestalten möchten – beruflich wie persönlich. Ihr Ansatz verbindet Business-Erfahrung, wissenschaftliches Verständnis und praktische Umsetzbarkeit im Alltag.
👉 Mehr über Vanessa und ihre Arbeit erfährst du hier.
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